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Netzausbau - Teil 4 der Serie


Netzausbau und Strom sparen: Voraussetzungen für mehr Ökostrom


Der Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima I markiert einen tiefen Einschnitt in der weltweiten Energieversorgung. Die Atomkraft wird vielerorts in Frage gestellt, der Umstieg auf alternative Energiequellen gefordert. Das ist möglich, erfordert aber große Anstrengungen. In einer Serie beleuchten wir die Stromversorgung der Bundesrepublik. Lesen Sie in Teil vier, warum Deutschland einen schnellen Netzausbau braucht und wie Stromspeicher und Strom sparen dem Ökostrom den Weg bereiten sollen.


Netzausbau und Strom sparen sind Voraussetzung für eine Versorgung mit Ökostrom.

Das deutsche Stromnetz ähnelt derzeit einer Abfolge von Einbahnstraßen. Sie führen von den großen Kohle- und Atomkraftwerken zu den Städten und Ballungszentren, verzweigen sich dabei immer weiter und enden bei den Verbrauchern. Gegenverkehr ist ebenso wenig vorgesehen wie der 

Stromtransport von einem Landesteil in einen anderen. Beides ist aber nötig, um mehr erneuerbare Energien nutzen zu können.


Im Netz der Zukunft werden neben großen Erzeugungsanlagen auch viele Solarzellen, Windräder und Mikro-Blockheizkraftwerke in Heizungskellern dezentral ihren Ökostrom einspeisen. Dieser Gegenverkehr braucht Platz in den Leitungen. Außerdem muss der Strom der Offshore-Windparks in die großen Städte im Westen und Süden Deutschlands, nach Dortmund, Köln, Stuttgart oder München. Auch ein Austausch ist nötig: Wenn in Emden Windräder wegen Flaute stillstehen, muss Strom aus Solarzellen im sonnenreichen Freiburg oder aus Biogasanlagen im Allgäu in die Bresche springen können - und umgekehrt. Auch dafür werden Leitungskapazitäten gebraucht.


Der Bedarf beim Netzausbau ist gewaltig


Die deutsche Energieagentur schätzte Ende 2010 den Neubaubedarf auf 3.600 Kilometer Hoch- und Höchstspannungsleitungen. Zusätzlich müssten die lokalen Verteilnetze verstärkt werden. Ähnliche Zahlen zum Netzausbau nennt auch das Bundeswirtschaftsministerium. 


Der Chef des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Dietmar Schütz, rechnet konservativer und kommt nur auf 1.000 Kilometer. Aber schon das wäre eine gewaltige Herausforderung. Denn wo auch immer neue Kabel durchs Land gezogen werden sollen, regt sich Widerstand - kurioserweise oft von Befürwortern der erneuerbaren Energien.


Die Kritiker des Netzausbau fürchten den Elektrosmog oder eine Verschandelung der Landschaft. Nur: Ohne neue Leitungen kann auf Kohle und Atomkraft kaum verzichtet werden. Erdkabel sind aufwändig, brauchen ebenfalls oberirdische Schneisen durch die Landschaft und machen den Netzausbau wesentlich kostspieliger - und damit langwieriger. 


Beim Netzausbau wird sich entscheiden, ob der Umstieg auf regenerative Energien in Deutschland gelingen kann. Maximal fünf Jahre dürfe es bis zur Fertigstellung einer neuen Trasse dauern, damit die Stromnetze mit dem Ausbau der Windenergie Schritt halten können, so Bundesnetzagentur-Chef Matthias Kurth in einem Interview der Süddeutschen Zeitung kurz nach dem Tsunami in Japan.


Stromspeicher für überschüssigen Ökostrom


Zusätzlich muss eine Speicher-Infrastruktur für Strom aufgebaut werden. Aktuell können Gas- und Kohlekraftwerke noch in Bresche springen und Produktionsschwankungen beim Ökostrom ausgleichen. Wenn deren Anteil steigt, wird das aber nicht genügen. Strom speichern können bisher aber nur wenige Dutzend Pumpspeicherkraftwerke. 


Sie nutzen überschüssigen Strom, um Wasser in ein höher gelegenes Becken zu pumpen. Bei Bedarf stürzt es wieder zu Tal und erzeugt Strom. Wirkungsgrad: bis zu 80 Prozent. Ihr Platzbedarf ist allerdings enorm, und wegen des nötigen Gefälles sind die möglichen Standorte begrenzt. Ambitionierte Pläne sehen Pumpspeicherkraftwerke auch in aufgelassenen Bergwerken und Tagebauen vor, von einer Realisierung ist bislang aber keine Rede.


Andere Stromspeicher sind bislang noch Zukunftsmusik. Angedacht sind etwa Druckluftspeicher oder die Umwandlung von überschüssigem Strom in Wasserstoff, der später rückverstromt oder aufbereitet und ins normale Gasnetz eingespeist werden könnte. Erste Pilotanlagen sind in Planung und Bau, ein einziger Druckluftspeicher ist bisher in Betrieb. Auch die Verwendung von Batterien, etwa in gerade abgestellten Elektroautos, wird erwogen - ein Problem ist jedoch, dass jeder Lade- und Entladevorgang die Akkus altern lässt.


Weil Stromspeicher aufwändig zu realisieren sind, müssen sie durch eine intelligente Netzsteuerung ergänzt werden. Das Stromnetz von morgen soll beispielsweise Blockheizkraftwerke gezielt dann anwerfen und die Wärmespeicher füllen lassen können, wenn Wind und Sonne Mangelware sind. 


Auch die Nachfrage soll vom Netz beeinflusst werden können. Intelligente Stromzähler sollen große Verbraucher gezielt dann anwerfen, wenn viel Strom zur Verfügung steht. Zusätzlich soll sich der Strompreis ständig an Angebot und Nachfrage anpassen und so die Nachfragespitzen abmildern.


Für normale Haushalte ist diese Smart-Meter-Technik aber ein zweischneidiges Schwert. Denn die detaillierten Informationen über den Stromverbrauch, die unweigerlich anfallen, bergen ein gewaltiges Datenschutzrisiko. Außerdem sind Investitionen in Zähler und Datenleitungen nötig, die mittelfristig kaum durch Einsparungen hereinzuholen sind - niemand bäckt schließlich nachts um drei Kuchen oder macht das Licht nur dann an, wenn der Wind weht. 


Zudem sind die Stromkosten mit dieser Technik kaum noch kalkulierbar, die Preise der einzelnen Stromanbieter nicht mehr vergleichbar. Lukrativ ist Smart Metering daher vor allem für Gewerbekunden mit großem Verbrauch, zum Beispiel Kühlhäuser.


Geringerer Aufwand durch Strom sparen


Gewaltige Summen sind für den Netzausbau nötig. Sie lassen sich jedoch ganz einfach reduzieren: durch Strom sparen. Jede Kilowattstunde, die nicht ersetzt werden muss, bringt doppelt Geld - sie senkt die Stromkosten und den Investitionsbedarf, um Ersatz für Kohle und Atom zu schaffen. 


Allein der Standby-Betrieb von Elektrogeräten und die Leerlaufverluste von Netzteilen, die sinnlos unter Spannung stehen, addieren sich landesweit zur Stromproduktion eines Atomkraftwerks - und könnten wegfallen, ohne auf irgendetwas verzichten zu müssen. Großverbraucher wie Kühlschrank, Heizungspumpe oder Wäschetrockner sparen den Mehrpreis für ein effizienteres Gerät oft schon nach wenigen Jahren wieder ein.


Sinnlos werden alle Bemühungen um Klimaschutz und Atomausstieg aber, wenn die Nachbarländer nicht mitziehen und das Kohlendioxid oder im Extremfall eine radioaktive Wolke von dort nach Deutschland wehen.


Lesen Sie im fünften Teil, wie der Schutz vor Atomunfällen in Deutschland auch von den Nachbarländern abhängt und welche Rolle die EU dabei spielt.


Atomkraft oder Ökostrom - die Zukunft der Stromversorgung

Atomkraft: Nutzung der Kernenergie und Atomausstieg - Teil 1

Kohle und Erdgas: Atomausstieg mit fossilen Energien - Teil 2

Erneuerbare Energien: Atomausstieg mit Ökostrom - Teil 3

Europa und Atomausstieg: Kernenergie bei den Nachbarn - Teil 5


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