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Europa und der Atomausstieg - Teil 5 der Serie

Europa und der Atomausstieg: Kernenergie bei den Nachbarn

Der Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima I markiert einen tiefen Einschnitt in der weltweiten Energieversorgung. Die Atomkraft wird vielerorts in Frage gestellt, der Umstieg auf alternative Energiequellen gefordert. Das ist möglich, erfordert aber große Anstrengungen. In einer Serie beleuchten wir die Stromversorgung der Bundesrepublik. Lesen Sie in Teil fünf, wie der Schutz vor Atomunfällen in Deutschland auch von den Nachbarländern abhängt, und welche Rolle die EU auf diesem Gebiet spielt.


Europa ist sich in Sachen Atomausstieg uneinig. Viele Nachbarn Deutschlands nutzen die Kernenergie.

Strahlung hält sich nicht an Landesgrenzen. Ein Atomausstieg in Deutschland würde die Deutschen deshalb nicht vom Restrisiko der Atomkraft befreien. Im Dezember 2010 waren nach Angaben des Deutschen Atomforums in 30 Ländern 443 Kernkraftwerke in Betrieb und 62 weitere in 15 Ländern im Bau. Hinzu kommen etliche Projekte, die sich noch in der Planungsphase befinden. Rund 140 AKWs stehen allein in den Staaten der EU.


Die 17 deutschen Kernreaktoren nehmen sich dagegen relativ bescheiden aus. Ihre Abschaltung kann das Risiko eines Unfalls mit katastrophalen Folgen für Deutschland nicht aus der Welt schaffen. In der Schweiz stehen mehrere AKWs, in Frankreich sogar 58 und in Tschechien - nur gut 50 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt - befindet sich das als unsicher verschriene Atomkraftwerk Temelin. Wir sind umzingelt.


Sicherheitstests nur freiwillig


Die Kernkraftwerke in der EU sollen nun zwar einheitlichen Stresstests unterzogen werden. Auf den Prüfstand soll die Absicherung gegen Erdbeben, Hochwasser oder mögliche Terroranschläge kommen. Umweltschützer kritisieren den Beschluss allerdings: Die Teilnahme ist nicht verpflichtend. Noch ist auch unklar, welche Konsequenzen es nach sich zieht, wenn ein AKW durchfallen sollte. 

Und der Kriterienkatalog muss erst einmal von der Kommission und den 27 Mitgliedern ausgearbeitet werden.

Es scheint merkwürdig: Da residiert ein riesiger Beamtenapparat in Brüssel und Straßburg, der sich über einheitliche Handyladegeräte Gedanken macht und Glühbirnen verbieten kann - aber strenge Sicherheitsrichtlinien für die Atomkonzerne sollen nicht möglich sein? Das hat historische Gründe: 


Die EU ist letztlich ein Produkt des Atomzeitalters. Eine ihrer Vorläuferorganisationen war die 1957 gegründete Europäische Atomgesellschaft. Ihr Ziel aus den fortschrittsgläubigen 50ern: Hebung des Lebensstandards durch Entwicklung der Atomenergie. 

Euratom ist aber, anders als die übrigen Europäischen Gemeinschaften, nie in der EU aufgegangen. Deshalb kann Europa seinen Mitgliedern auf diesem Gebiet auch keine Vorschriften machen.


Die EU-Mitglieder sind sich nicht einig


Erst recht keine Einigkeit besteht in der Frage: Atomkraft - ja bitte oder nein danke? Frankreich, das europaweit die meisten Meiler betreibt, aber auch Finnland oder Schweden wollen die Atomkraft weiter nutzen. Italien und EU-Nachbar Schweiz haben dagegen nach dem Unfall von Fukushima ihre Neubaupläne zumindest ausgesetzt, Österreich positioniert sich klar gegen die Atomkraft. 

Einig ist sich Europa nur darin, dass die Stromnetze ausgebaut und die erneuerbaren Energien gefördert werden sollen. Ziel ist ein europäischer Energie-Binnenmarkt, so der Beschluss vom Februar 2011.


Im Hinblick auf die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien ergibt das auch Sinn: Wenn nicht nur zwischen Bundesländern, sondern auch zwischen Spanien und Norwegen große Strommengen ausgetauscht werden können, dann erleichtert das den Umstieg auf erneuerbare Energien. 


Im sonnenreichen Spanien sind Solarzellen wesentlich effektiver als in der Lüneburger Heide - sie können einspringen, wenn Flaute an der Nordseeküste herrscht. Umgekehrt könnte Windstrom und Wasserkraft aus Norwegen die Spanier nach Sonnenuntergang unterstützen. So würden viele Grundlastkraftwerke entbehrlich - egal, ob sie mit Kohle oder Uran betrieben werden.


Die Reaktionszeiten in Europa sind jedoch lang. Stets müssen die Interessen von 27 Partnern unter einen Hut gebracht werden. Und trotz aller Vereinheitlichung können die Mitgliedsstaaten ihren Energiemix weitgehend selbst bestimmen. Ein schneller deutscher Atomausstieg erscheint vor diesem Hintergrund ziemlich sinnlos: Die anderen produzieren weiter billigen Atomstrom, die Bundesrepublik muss das Risiko mittragen, ob sie will oder nicht.


Allerdings ist ein nationaler Ausstieg der einzige Weg, wenn die Bundesrepublik die Atomkraft als zu unsicher einstufen sollte. Denn erstens kann jedes Land letztendlich nur vor der eigenen Haustüre kehren. Zweitens senkt jedes abgeschaltete AKW das Restrisiko ein Stückchen weiter - auch wenn es damit nicht aus der Welt ist. 


Drittens kann die Bundesregierung nur dann glaubhaft von Nachbarstaaten fordern, ihre AKWs abzuschalten, wenn sie sich auch selbst von der Technologie verabschiedet. Und schließlich könnte Deutschland zeigen, wie innerhalb eines überschaubaren Zeitraums der Atomausstieg gelingen kann. Und im Idealfall die entsprechenden Technologien vermarkten.


Atomkraft oder Ökostrom - die Zukunft der Stromversorgung

Atomkraft: Nutzung der Kernenergie und Atomausstieg - Teil 1

Kohle und Erdgas: Atomausstieg mit fossilen Energien - Teil 2

Erneuerbare Energien: Atomausstieg mit Ökostrom - Teil 3

Netzausbau und Strom sparen: Voraussetzungen für mehr Ökostrom - Teil 4


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