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Atomkraft - Teil 1 der Serie

Atomkraft: Nutzung der Kernenergie und Atomausstieg

Der Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima I markiert einen tiefen Einschnitt in der weltweiten Energieversorgung. Die Atomkraft wird vielerorts in Frage gestellt, der Umstieg auf alternative Energiequellen gefordert. Das ist möglich, erfordert aber große Anstrengungen. In einer Serie beleuchten wir die Stromversorgung der Bundesrepublik. Lesen Sie in Teil eins, welchen Stellenwert die Kernkraft derzeit einnimmt und wie sicher die deutschen Atomkraftwerke wirklich sind.


Verstrahltes Leitungswasser, belastete Lebensmittel, hunderttausende Menschen aus radioaktiv verseuchten Gebieten in Sicherheit gebracht: Die Havarie im Kernkraftwerk Fukushima I hat gezeigt, wie gewaltig sich ein winziges Restrisiko auswirken kann, wenn es tatsächlich eintritt. Auch wenn glücklicherweise der ganz große Super-Gau im dichtbesiedelten Japan bisher nicht eingetreten ist - für den Ruf der Atomkraft als sichere und saubere Energie ist der maximale Schaden bereits angerichtet. 17 Kraftwerksblöcke, verteilt auf zwölf Standorte, gab es zum Zeitpunkt des Japan-Unfalls in Deutschland. 


Sie stammen alle aus den 70er und 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die rot-grüne Bundesregierung hatte unter Kanzler Schröder den Atomausstieg beschlossen, Termin: um 2020. Die schwarz-gelbe Regierung Merkel verschob diesen Termin jedoch um durchschnittlich 12 Jahre nach hinten. Exakte Zeitpunkte sind schwer zu benennen, weil jedem Kraftwerk eine Reststrommenge zugeteilt wurde. Steht es still oder produziert es mit verringerter Leistung Strom, darf es dafür länger in Betrieb bleiben.


Ein Fünftel des Stroms aus Atomkraft


Gut ein Fünftel der deutschen Stromproduktion stammte bis zum Moratorium aus der Atomkraft. Weil sie unabhängig von Wind und Wetter verfügbar ist, ist sie für die Deckung der Grundlast von relativ großer Bedeutung. Die AKWs liefern beständig und relativ günstig Strom - nach der angekündigten Abschaltung der Alt-Meiler für drei Monate zogen die Preise an der Strombörse sofort kräftig an. Kohlendioxid wird bei der störungsfreien Nutzung von Atomkraft nicht freigesetzt, die direkten Umweltauswirkungen beschränken sich auf die Aufheizung von Gewässern durch die Kühlung. Es entstehen jedoch Umweltschäden durch den Uranabbau und die Aufbereitung des Brennstoffs.


Allerdings können Atomkraftwerke nur auf den ersten Blick sensationell billig Strom herstellen. Denn der Staat unterstützte Atomforschung und Reaktorbau massiv. Auch die milliardenteure Lagerung des strahlenden Atommülls finanziert zu einem großen Teil der Steuerzahler. Nach einer Studie, die Greenpeace im Herbst 2010 vorstellte, summierten sich die Zusatzkosten der Atomkraft bis zu diesem Zeitpunkt auf mehr als 200 Milliarden Euro. Selbst wenn man unterstellt, dass die Umweltschützer bei den Zahlen etwas übertrieben haben könnten, bleibt immer noch eine gewaltige Summe übrig.


Die Folgen eines möglichen Super-Gaus sind in dieser Berechnung noch gar nicht eingepreist. Versichern lässt sich ein derartig astronomisches Risiko bei keiner Assekuranz der Welt. Weil die volkswirtschaftlichen Schäden das Eigenkapital der Atomkonzerne um ein Vielfaches übersteigen würden, würde die Öffentlichkeit im Fall des Störfalles auf einem Großteil der Schäden sitzen bleiben. Günstiger Atomstrom ist also eigentlich eine Lüge. Günstig war die Laufzeitverlängerung vor allem für die Kraftwerksbetreiber, die mit ihren Meilern länger Geld verdienen und gleichzeitig potentielle Konkurrenten ausbremsen konnten.


Denn die Leistung von Atomkraftwerken lassen sich nur schwer regeln. Sie sind dann am profitabelsten, wenn sie mit Volllast laufen, und sorgen deshalb für einen Systemkonflikt mit den schwankenden erneuerbaren Energien. Die Atomkraft wirkt wie ein Bremsklotz für Investitionen in die Nutzung regenerativer Energiequellen, weil sie durch ihre Inflexibilität den Investitionsbedarf in Netze und Stromspeicher vergrößert, und ist als Brückentechnologie nur eingeschränkt brauchbar. Sie zementiert dadurch auch die Machtstellung der großen Energiekonzerne bei der Energieerzeugung. Denn neue Öko-Kraftwerke würden meist dezentral gebaut und daher für mehr Konkurrenz sorgen.


Gefahren durch die Kernenergie


Welche zerstörerischen Kräfte in den Meilern schlummern, haben die Fernsehbilder aus dem japanischen Katastrophenkraftwerk eindrücklich bewiesen. Ein Restrisiko gibt es auch in Deutschland. Zwar ist ein Tsunami an Neckar oder Isar nicht zu erwarten - aber er wäre auch gar nicht nötig. Denn wer ein Atomkraftwerk baut, muss es auf den größten anzunehmenden Unfall auslegen, der sich an diesem Standort ereignen könnte. Jedes AKW kann nur das bei der Planung erwartete Worst Case-Szenario aushalten.


Bei älteren deutschen Meilern ist das beispielsweise ein außer Kontrolle geratener Starfighter, der auf den Reaktor stürzt. Doch mit Terroranschlägen mit entführten Passagierflugzeugen hat in den 70ern niemand gerechnet. Deshalb würden beispielsweise Neckarwestheim I oder Isar I den Aufschlag eines Airbus nicht aushalten. Oder es wäre eine unerwartet heftige Sturmflut am AKW Brokdorf denkbar. In Fukushima war der Tsunami, der Notstromgeneratoren und Kühlpumpen demolierte, auch mehr als doppelt so hoch wie von den Planern erwartet.


Selbst wenn sofort alle AKWs abgeschaltet würden, bestünde ihr Risiko noch über Jahre weiter. Denn die Nachzerfallswärme muss auch nach dem Herunterfahren aus Reaktorkernen und Abklingbecken abgeführt werden, die Innereien der Kraftwerke strahlen weiter. Es dauert, bis die Anlagen abgebaut werden können. Übrig bleibt radioaktiver Schrott und Atommüll. Ein sicheres Endlager gibt es nicht. Nirgends auf der Welt.



Das Zeitalter der Atomkraft neigt sich deshalb in Deutschland dem Ende zu. Die Frage ist nur noch, wann der letzte Reaktor vom Netz geht. Lesen Sie in Teil zwei, welche Energieträger die Atomkraft kurzfristig ersetzen können.



Atomkraft oder Ökostrom - die Zukunft der Stromversorgung


Kohle und Erdgas: Atomausstieg mit fossilen Energien - Teil 2


Erneuerbare Energien: Atomausstieg mit Ökostrom - Teil 3


Netzausbau und Strom sparen: Voraussetzungen für mehr Ökostrom - Teil 4


Europa und Atomausstieg: Kernenergie bei den Nachbarn - Teil 5


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