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Wind trifft Sonne - Erzeugung und Verbrauch finden vor Ort zusammen


Wind trifft Sonne - Erzeugung und Verbrauch finden vor Ort zusammen


juwi-Vorstand Matthias Willenbacher über die Zukunft der Energieversorgung, 

Netzausbau und deutsche Innovationskraft

 Werbepause

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Wörrstadt (iwr-pressedienst) - Geht es nach dem Willen zahlreicher Protagonisten in Politik und Energiewirtschaft, dann wäre ein zentrales, verbraucherfernes und damit teures Energiesystem ein elementarer Bestandteil der Energiewende. In seinem Gastbeitrag in der Financial Times Deutschland von letzter Woche präsentiert Matthias Willenbacher, Vorstand des Wörrstädter Projektentwicklers juwi, einen Gegenentwurf. 


Die Energiewende brauche zwar zentrale Steuerung, die Umsetzung müsse aber dezentral erfolgen, weg von riesigen zentralen Solar- und Windparks, hin zu regionalen Lösungen. Erneuerbare Energien können zu 100 Prozent die Stromversorgung sichern - dezentral, günstig und unendlich, so die Kernaussage Willenbachers.

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Stellen Sie sich vor, Sie kaufen als Frankfurter, Stuttgarter oder Münchener eine Kilowattstunde Strom in der Nordsee; sagen wir mal, aus einem der maritimen Windräder in der Deutschen Bucht. Das sollte - so die allgemeine Meinung - recht günstig sein, denn auf dem Meer weht vermeintlich mehr Wind als an Land. Doch wie kommt die Energie zu Ihnen in die süddeutsche Metropole? 


Ein langer, teurer und derzeit noch nicht einmal vorhandener Transportweg wäre zu bewältigen. Bei Flaute würde man Ihnen nichts liefern können, und die Energie aus windreichen Stunden haben Sie nicht speichern können; und wenn doch, dann nur mit hohen Kosten. 


Geht es nach dem Willen zahlreicher Protagonisten in Politik und Energiewirtschaft, dann wäre solch ein zentrales, verbraucherfernes und damit teures Energiesystem ein elementarer Bestandteil der Energiewende.  Doch Sie ahnen schon: dieser Kurs kann nicht zum Erfolg führen - nicht nur wegen der fehlenden 4.500 Kilometer Hochspannungstrassen.


Nun steht mit Peter Altmaier ein neuer Kapitän auf der Berliner Brücke - und es wird höchste Zeit für eine Kehrtwende: Denn nur eine allein auf erneuerbaren Energien basierende Stromversorgung führt raus aus der Abhängigkeit von atomaren und fossilen, hoch subventionierten Brennstoffen. 


Setzen wir vorrangig auf regional verteilte Solar- und Windenergie-Anlagen und bringen wir die Stromerzeugung in die Nähe gut ausgebauter Netze und der Verbraucher, dann sparen wir enorm: kein Netzausbau auf Höchstspannungsebene, dramatisch weniger Speicherbedarf, und obendrein gibt es Sonnenschein und Windströmungen auch noch kostenlos - überall und unbegrenzt verfügbar. Deshalb ist es mehr als sinnvoll, diese kostenlosen Ressourcen mit an den jeweiligen Standort angepassten Technologien direkt vor Ort zu nutzen.


Unter dem Strich ist die lokal erzeugte, über kurze Distanzen transportierte und direkt nutzbare Kilowattstunde um den Faktor Zwei bis Drei günstiger als die in Norddeutschland hergestellte, weit transportierte und eventuell zwischengespeicherte Kilowattstunde. Und die Produktion auf dem Meer ist noch einmal um den Faktor Zwei teurer als an guten Binnenlandstandorten. 


Letztendlich macht deshalb nur der lokale Ansatz die Energie bezahlbar und garantiert über Jahrzehnte stabile Strompreise. Und er bringt Wertschöpfung in alle Regionen - im Norden ebenso wie im Osten, Westen und im Süden. Wir müssen uns deshalb lösen vom zentralen Energiedenken, von einem "Windpark Nordsee" und einem "Solarpark Bayern". Die Alternative heißt: Dezentralität. 


Ergänzend zum bereits bestehenden regenerativen Kraftwerkspark in Deutschland sind künftig also vor allem gute Windenergie-Standorte im Süden Deutschlands und geeignete großflächige Solarpotenziale im Norden Deutschlands zu erschließen.

Die natürlichen Wetterphänomene unterstützen diesen Gedanken. Denn während der Wind vorrangig im Herbst und Winter weht, scheint die Sonne überwiegend im Frühling und Sommer. 


Zudem gibt es in den Höhen, in denen heute und künftig der Wind geerntet wird - zwischen 100 und 200 Metern - so gut wie nie gleichzeitig in allen Teilen Deutschlands Windstille. Lokal unterschiedliche Windverhältnisse beispielsweise zwischen dem Pfälzer Wald und dem Erzgebirge lassen sich somit ebenso ausgleichen wie eine unterschiedliche Bewölkung zwischen Rügen und dem Bodensee. Außerdem gibt es ja auch noch Wasserkraft, Geothermie und Biomasse in all ihren Varianten.


Dank deutscher Innovationskraft gibt es auch schon die Lösung für eine weitere Herausforderung: Windräder und Solaranlagen können noch besser an die regionalen Gegebenheiten angepasst werden. Was wir brauchen, ist mehr Energie pro installierter Leistungseinheit - das gelingt uns beispielsweise mit größeren Rotoren und höheren Türmen für Windenergie-Anlagen im Binnenland bei gleicher Generatorleistung. 


Solche Anlagen erzeugen schon bei einer frischen Brise ihre volle Leistung und können somit auch im Binnenland statt 2.000 dann über 4.000 Volllaststunden erreicht werden. Das sind Werte, die auch auf dem Meere nicht wesentlich übertroffen werden. Doch der Vorteil an Land liegt auf der Hand: es kostet nur die Hälfte. Großflächige Solaranlagen schließlich könnten durch eine einachsige Nachführung ihre Leistungsabgabe besser über den Tag verteilen. So vermeiden wir Leistungsspitzen, die zu hohem Speicherbedarf führen würden.


Ein konkretes Beispiel für die Leistungsfähigkeit der erneuerbaren Energien ist das so genannte Repowering, der Austausch alter Anlagen durch neue, bessere Windturbinen. Heute erzeugen wir mit rund 25.000 Windrädern bei einer Gesamtleistung von 30.000 Megawatt im Jahr etwa 50 Milliarden Kilowattstunden Strom - rund acht Prozent des bundesweiten Bedarfs. 


Es wäre ein leichtes, mit neuen Windrädern und deutlich größeren Rotoren und höheren Türmen ganz andere Zahlen zu erzielen: 25.000 Windräder mit einer Gesamtleistung von 75.000 Megawatt könnten auch 300 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen - und das wären immerhin mehr als 50 Prozent des deutschen Strombedarfs. 


Dies alles zentral organisiert - der berühmte "Masterplan" - und dezentral umgesetzt sorgt für einen wesentlich geringeren Bedarf an Netzausbau und Speichervolumen.


Und das ist bei weitem noch nicht alles. Auch auf der Verbraucherseite gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die benötigte Leistung über den Tag verteilt zu steuern. Die Regelbarkeit von Kühlhäusern ist ein weit bekanntes, die Waschmaschine im Keller ein durchaus denkbares Beispiel, wie der Strombedarf zu beeinflussen ist. Eine weitgehend punktgenaue Erzeugung mit erneuerbaren Energien und ein angepasster Verbrauch reduzieren dann ebenfalls massiv den Bedarf an Speicherkapazitäten - die eigentlichen Kostentreiber in einem falsch justierten Energiesystem.


Alles greift ineinander und passt zusammen, wenn man es richtig macht.  Wir sollten allerdings auch nicht so tun, als wenn wir bei null anfangen würden. Beispiel Speicher: Viele Möglichkeiten sind bereits nutzbar: Pumpspeicherkraftwerke sind bewährte Technik, Batteriespeicher kennt jeder aus dem Handy und dem Laptop. Neue Speichermöglichkeiten kommen künftig hinzu: Die Umwandlung von überschüssigem Wind- und Solarstrom in Methan oder Wasserstoff und deren Aufbereitung und Einspeisung in das vorhandene Erdgasnetz ermöglichen die langfristige Speicherung der Energie; und den Transport einer x-beliebigen Energiemenge quer durch die Republik. Warum nutzen wir nicht die vorhandene Infrastruktur für die Speicherung und den Transport?


Und wenn in knapp zehn Jahren rund eine Million Elektrofahrzeuge am Stromnetz hängen, dann entspricht dies einer Leistungsspitze von 50.000 bis 100.000 Megawatt - quasi ein dezentraler Kraftwerkspark gleicher Größenordnung wie heute. Auch in vielen Häusern, Werkstätten und Fabriken wird es künftig moderne Batteriespeicher geben. "Erzeugung trifft Verbrauch" ist in diesem nachhaltigen und intelligenten Energiekreislauf dann Realität, keine Utopie.


In der ganzen Diskussion um den richtigen Weg der Energiewende geht der Blick aufs große Ganze und die eigentliche Motivation zum Umschwung derzeit leider offensichtlich leicht verloren: Konventionelle, seit Jahrzehnten hoch subventionierte Energie-Ressourcen werden sich in den kommenden Jahren dramatisch verteuern. Für die Importe dieser Rohstoffe müssen wir - im wahrsten Sinne des Wortes - jedes Jahr mehr als 100 Milliarden Euro "verbrennen"! Uran, Kohle, Öl und Gas sind endlich, oft nur mit gravierenden Auswirkungen auf unsere Umwelt zu fördern und zu transportieren. 


Atomkraft - siehe Fukushima - ist zudem für den Menschen nicht beherrschbar. Wir sollten deshalb nicht ständig fragen, wie teuer uns die Energiewende kommt. Wir sollten besser darüber nachdenken, was uns ein Verzicht auf den Umstieg hin zu den Erneuerbaren kosten würde. Uns, unsere Kinder - und unseren Planeten.


Den gekürzten Beitrag in der Financial Times Deutschland finden Sie unter

http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:energiewende-nur-lokaler-strom-macht-energie-bezahlbar/70047487.html

 

Ein Interview von Netzjournalist Tom Aslan mit juwi-Vorstand Matthias Willenbacher zum Thema "Wem nutzt der Netzausbau" finden Sie hier:

http://www.youtube.com/watch?v=OS6MTz7_xM0


Auch dieses Jahr wird die juwi-Gruppe vom 13. bis zum 15 Juni auf der Intersolar in München vertreten sein. juwi Solar Geschäftsführer Lars Falck und juwi Solar Deutschlandchef Herbert Muders laden ein zu einem Pressefrühstück am 


14. Juni von 10-12 Uhr am juwi-Stand in Halle 5, Stand 220. 


Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Bitte bestätigen Sie Ihr Kommen kurz mit einer Mail an presse@juwi.de

 

Zur juwi-Gruppe:

juwi zählt zu den weltweit führenden Spezialisten für erneuerbare Energien mit starker regionaler Präsenz. Unser Ziel: 100 Prozent erneuerbare Energien. Unser Antrieb: Mit Leidenschaft erneuerbare Energien wirtschaftlich und zuverlässig gemeinsam durchsetzen. Von der Standortsuche über Planung, Realisierung und Finanzierung bis hin zur Betriebsführung - juwi ist der kompetente Partner für die Energiewende mit regionalen Schwerpunkten.


Gegründet wurde juwi 1996 von Fred Jung und Matthias Willenbacher in Rheinland-Pfalz. Heute beschäftigt das weltweit tätige Unternehmen mehr als 1.750 Mitarbeiter in 15 Ländern und erzielte im Jahr 2011 einen Jahresumsatz von rund eine Milliarde Euro. Zu den Geschäftsfeldern der juwi-Gruppe zählen neben Solar-, Wind- und Bioenergie auch Wasserkraft und Geothermie sowie Green Buildings und Elektromobilität. Eine eigene Forschungsabteilung (juwi Research & Development) entwickelt Lösungen und Komponenten, um Strom aus erneuerbaren Energien noch günstiger zu machen.


Bislang hat juwi im Windbereich rund 540 Windenergie-Anlagen mit einer Leistung von etwa 950 Megawatt realisiert; im Solarsegment sind es mehr als 1.500 PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 1.000 Megawatt.  Diese Energieanlagen erzeugen pro Jahr rund 3,5 Milliarden Kilowattstunden Strom; das entspricht dem Jahresbedarf von etwa eine Million Haushalten. 


Im Bioenergie-Bereich kann juwi zahlreiche Referenzen für Holzpellets-Produktionsanlagen, Biomassekraft- und heizwerke, Biogasanlagen und Nahwärmenetze mit Contracting-Lösungen aufweisen. Für die Realisierung dieser Projekte hat juwi in den vergangenen 16 Jahren ein Investitionsvolumen von rund vier Milliarden Euro initiiert.


juwi gehört zu Deutschlands besten und begehrtesten Arbeitgebern: Im renommierten Wettbewerb des ≥Great Place to Work Institute„ ist das Unternehmen Anfang 2012 in der Kategorie 501 bis 2.000 Beschäftigte unter den Top 20 gelandet. Die juwi-Gruppe verfügt über Niederlassungen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Tschechien, Griechenland, Polen, Bulgarien, Großbritannien, Indien, Singapur, Südafrika, Chile, den USA und Costa Rica. In Deutschland hat juwi Niederlassungen und Regionalbüros in zwölf Bundesländern.

 

Wörrstadt, den 11. Juni 2012



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